Kirchendiener gesucht – zweite Ausschreibung

Die Evangelische Kirchengemeinde Baden-Baden sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen/eine Kirchendiener/in (mit insgesamt 9 Wochenstunden)

für die Luthergemeinde Baden-Baden/Lichtental (mit Sonn- und Feiertagsdienst).

Die Aufgaben eines/er Kirchendiener/in umfassen neben der Begleitung der

Gottesdienste auch die Unterhaltung des Kirchenraums und der Gemeinderäume. Wir wünschen uns daher einen/eine engagierten/te Mitarbeiter/in der/die sich mit dem Auftrag der Kirche identifiziert und Freude am Umgang mit jungen und alten Menschen hat. Die Anstellung setzt eine Mitgliedschaft in der Evangelischen Kirche oder einer der Kirchen der ACK voraus.

Wir bieten eine Anstellung entsprechend des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst (TVöD-Bund) und die sonst im öffentlichen Dienst üblichen Sozialleistungen. Nähere Informationen über die Tätigkeit und die Adresse für die Bewerbung erhalten Sie von der Evang. Luthergemeinde, Pfarrer Thomas Weiß (Tel. 07221/97980).

Das bunte Kreuz – Ausstellung in der Lutherkirche bis 19. Juni

 Schüler und Schülerinnen aller Klassen der Kloster-Grundschule in Baden-Baden-Lichtental haben in den vergangenen Wochen in einem Kunstprojekt mittelgroße Kreuze aus dem Fundus der Abtei Lichtental verziert. Engagiert angeleitet von Roswitha Boy arbeiteten kleine Gruppen mit den unterschiedlichsten Materialien. Das Ergebnis ist eine beeindruckende Vielfalt von Kreuzesdarstellungen, die das bisweilen schwierige Symbol des Kreuzes in vielen, hellen Farben erstrahlen lassen. Sie werden damit zu bunten Bildern der vielfältigen, vielgestaltigen Liebe Gottes zu den Menschen, die im Kreuz Jesu ihren Ausdruck findet.
Nun sind sechsundzwanzig der bunten Kreuze in der Evang. Lutherkirche in Lichtental (Hauptstr. 51) ausgestellt – was Pfr. Thomas Weiß, der die Kreuze in die Kirche geholt hat, auch als Zeichen der Wertschätzung der künstlerischen Arbeit der Grundschüler- und schülerinnen verstanden wissen will. Ab Pfingstsonntag kann die Ausstellung täglich von 11 Uhr bis 17 Uhr und zu den Gottesdienstzeiten besucht werden, sie ist bis 19. Juni zu sehen

Predigt: Wege. Predigt zu Johannes 6,66-69

Sorry, Entschuldigung, sagen Sie mal, wo geht’s denn hier zum Gemeindefest? Bin ich richtig hier? Hab ich mich auch nicht verlaufen? Ich frag das, weil ich mir meiner Wege gar nicht immer sicher bin. Nun leb ich schon vier Jahre hier in Baden-Baden – und trotzdem hör ich immer mal eine Adresse, von der ich nicht weiß, wo und wie ich sie finden kann. Angeblich hab ich ja ein

recht gutes Orientierungsvermögen, aber das stimmt wohl in Wahrheit gar nicht – um

Orientierung bin ich nämlich immer wieder verlegen. Welcher Weg ist der richtige? Und wenn ich

den nach links gehe oder den nach rechts – welcher bringt mich voran und ans Ziel?

Also: inzwischen weiß ich ja, wo Geroldsau liegt und wo die Heilig-Geist- Kirche steht, aber

manchmal kenn ich mich doch nicht aus. So im echten Leben, wenn es nicht nur um Adressen

und Ziele geht, da kann mir schon manchmal die Wegweisung fehlen, da verirre ich mich doch

ab und an. Kennen Sie vielleicht auch.

Die Freunde Jesu kannten das jedenfalls.

Und einmal sind sie mit ihm eben darüber, über Wege und Wegweisung, ins Gespräch gekommen.

Im Johannesevangelium, im 6. Kapitel, wird erzählt:

Viele seiner Jünger wandten sich ab von Jesus und gingen nicht mehr mit ihm.

Da fragte Jesus die Zwölf: Wollt ihr auch weggehen?

Da antwortete ihm Simon Petrus: Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen

Lebens;

und wir haben geglaubt und erkannt: Du bist der Heilige Gottes.

Wohin sollen wir gehen?

Das ist wirklich keine schlechte Frage! Mit der richtigen Richtung ist das ja so eine Sache! Wir

erleben in der Parteienlandschaft gerade größere Richtungsdebatten – und was nun Mitte-Links

oder Mitte-Rechts, was mittendrin, was rechtsverdreht oder so halbdazwischen ist, das lässt sich

bisweilen schwer ausmachen. Das wünscht sich der Mensch manchmal etwas überschaubarer –

und doch misstrauen wir denen, die so eindeutige Richtungen und so einfache Antworten haben,

mit guten Gründen.

Wo geht’s lang, wohin sollen wir gehen?

Auch für all die Fragen, die uns ganz persönlich betreffen: Wie leb ich mein Leben sinnvoll, wie

erziehe ich meine Kinder zukunftsfähig, wie gehe ich mit dieser Krankheit um oder meiner

Unsicherheit vor Leid und Tod, wie wird eine Liebe, die in die Krise geraten ist, wieder lustvoll

und verständig, wie kann ich den Streit beenden, der Familie oder Freundschaft belastet – für all

diese Fragen gibt es eine unermessliche Anzahl von Antworten. Schauen Sie sich in einer

Buchhandlung nur mal das Regal an, in dem die Lebensberatungsliteratur steht: neben dem

einen und der anderen, die wirklich etwas zu sagen haben, steht eine Legion von

selbsternannten Fachmännern und Frauen, die wichtig tun.

Und geht das denn nur mir so, dass die Fülle der Informationen, die mir das weltweite Netz

Sekunde für Sekunde liefert, mich heillos überfordert. Was in diesem Dschungel an Daten und

Debatten ist eigentlich verlässlich, was zeigt mir Wege auf?

Die Freunde Jesu damals kannten das alles noch nicht – aber ihre eigenen Verwirrungen hatten

sie gleichwohl. Jesus war doch bei weitem nicht der einzige, der mit einer Botschaft durch die

Lande zog, der Menschen heilte und Schüler und Schülerinnen um sich scharte, die ihm den

Anstrich von Größe und Gottgefälligkeit verliehen.

Zur Zeit Jesu, davor und danach, gab es viele, die sich als Messias ausgaben, als Lehrer und

Retter – und wer ernsthaft Gott suchte, wer Trost brauchte, wer Frieden und Gerechtigkeit

ersehnte, für sich und diese friedlose, ungerechte Welt, der hatte eine verwirrende Qual der

Wahl. Den religiösen Markt der Möglichkeiten, den gibt es nicht erst in unsrer Zeit – und dieser

Markt ist so unüberschaubar wie er zur persönlichen Entscheidung herausfordert.

Wohin sollen wir gehen?

Vielleicht muss des Petrus Frage anders gehört werden. Nicht als das etwas ratlose, bisweilen

verzagte: Wo geht’s denn lang? Die Frage des Petrus hat noch einen anderen Ton, sie ist,

glaube ich, eine rhetorische: Ja, Mensch, Jesus – wohin sollten wir denn schon gehen!? Ist doch

klar, oder?

Eine rhetorische Frage kennt, noch bevor sie gestellt wird, ihre Antwort bereits. Ist doch klar,

welcher Weg der richtige ist: der mit Jesus! Und warum?

„Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Ich höre: Jesus macht keine Worte, er hat sie. Jesus spricht vollmächtig, das hat die Menschen

seiner Tage schon erstaunt, das bewegt und beeindruckt viele Menschen seither. Vielen, viele,

viele machen bloß Worte, tun das mit geschwellter Brust und dem tiefen Ton ihres grenzenlosen

Selbstbewusstseins. Viele, viele, viele tun so, als wüssten sie das Wort schlechthin zu sagen,

das Machtwort, das eine richtungsweisende Wort, auf das alle gewartet haben, auch wenn die

meisten von diesen allen das noch gar nicht wussten. Ich misttraue dem Wortgeklingel, der

Wortinflation.

„Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Jesu Wort ist also ein lebendiges, eines voll mit Leben –

und wir können das wörtlich nehmen. Jesu Wort ist Wort mitten im Leben – in unserem Leben!

Jesus geht unsere, unsere menschlichen Wege; sein Wort ist mit Erfahrungen gesättigt – mit

unseren Erfahrungen. Mit der Last, die mit den Rücken beugt, mit dem Zweifel, der mich

verstummen lässt, mit der Wunde, die brennt, und mit meiner Sehnsucht, die sich trösten lachen

will. Jesus kennt meine Tränen und mein Lachen, mein Lebensmut, meine Lebensmut und meine

dumpfe Verzagtheit immer wieder. Er kennt sie – aber nicht vom Hörensagen, nicht von der

Ferne und im Überblick, nein: Jesus setzt die Schritte, die wir setzen, träumt unsere Träume,

lächelt unser Lächeln, leidet unseren Schmerz. Wenn Jesus Worte spricht, spricht einer, der aus

eigener Erfahrung weiß, wovon er redet.

Ich glaube, dass Jesu Worte auch genau deshalb „Worte des ewigen Lebens“ heißen. „Ewigkeit“

– das findet ja nicht irgendwann einmal statt, in weiter Zukunft – und dann mutmaßlich auch nur

für die, die den rechten Weg gegangen sind, durch die schmale Pforte, kirchentreu oder

bibelfromm, rechtgläubig und über jeden Zweifel erhaben. Nein, ich denke: Ewigkeit ist hier und

heute, Ewigkeit ist da, wenn mitten in unserer Zeit Gott spürbar wird: in einem eben verlässlichen

Wort, in einer gelingenden Versöhnung, einem getrosten Sterben und einer beglückenden

Lebendigkeit. Kinder im Spiel, Liebende in ihrer Hingabe, Freunde, die sich vertrauen, weise Alte

– die wissen etwas von der Ewigkeit.

Wohin sollen wir gehen? Wir müssen gar nicht weit gehen: Gott ist mitten in unserer Zeit, Gott

steht und geht auf unseren Wegen – ein kleiner Schritt, ein Augenaufschlag nur, ein Lauschen in

die Zeit und ein weites Herz, und schon sind wir, wo wir hingehören, schon merken wir Gott an

unserer Seite – und dieses Leben kann getragen, gestaltet und gefeiert werden.

Da wollt ich jetzt „Amen“ sagen, so sei es und Schluss und aus mit dem Predigtwort für heut und

der fröhlich-frommen Wortemacherei. Aber eins gehört wohl noch dazu, heute, beim

Ökumenischen Gemeindefest.

Dies wohl: Unsere Welt braucht solche Worte des ewigen Lebens, Worte, die Leben helfen

mitten in der Zeit. Und uns sind diese Worte anvertraut, und wir sind sie unseren Mitmenschen,

unserer Welt schuldig.

Wohin sollen wir gehen? Am glaubwürdigsten leben wir Jesu Worte, greifen wir sie auf und

sprechen wir sie aus, wenn die Wege, die wir gehen, Wege aufeinander zu sind. Die sind unser

Auftrag.

Und indem wir gerade Gottesdienst miteinander feiern und gleich unser ökumenisches

Gemeindefest, indem wir das tun, erleben wir auch, dass die Wege aufeinander zu und

miteinander – eine Lust sind.

Amen

Buchpräsentation 23. September 19 Uhr

Buchpräsentation 23. September 2016, 19 Uhr

Thomas Weiß: Oberlin, Waldersbach- Eine Begegnung

Aula der Klosterschule Lichtental (Hauptstr. 40, Baden-Baden/Lichtental,

Zugang über Klosterhof, links – 3. OG der Schule, Zugang leider nicht barrierefrei!)

Grußwort: Dr. Alexandra Scheffner, Schulleiterin, Baden-Baden

Einleitung

1: Hubert Klöpfer, Verlagsleiter, Tübingen Einleitung

2: Nicola May, Intendantin Theater Baden-Baden

Lesung:

Thomas Weiß, Autor, Baden-Baden

Musikalische Gestaltung:

Irina Wagner (Klavier), Baden-Baden
Dominik Wagner (Klarinette), Baden-Baden

 

(Kleiner Empfang im Anschluss)
Eine Veranstaltung der Evang. Luthergemeinde Baden-Baden(www.luther-lichtental.de)
in Kooperation mit der Klosterschule Lichtental (www.klosterschule-lichtental.de)

Predigt vom 12. Juni 2016 – Auf der Suche. Predigt zu Lukas 15,1-7

Auf der Suche. Predigt zu Lukas 15,1-7

3.S.n.Tr., 12.6.2016, Luthergemeinde Lichtental, Th. Weiß

Als ich Gott suchte, da antwortete er mir – und errettete mich aus aller meiner Furcht. Amen

Hören wir auf Gottes Wort, aus dem Evangelium des Lukas, im 15. Kapitel:

Geht Ihnen das jetzt auch so, liebe Gemeinde? Ich für meinen Teil bin recht verwundert. So einfach dieses Geschichtlein klingt, dieses Gleichnis vom verlorenen Schaf, so anheimelnd und zutraulich es daher kommt, mit lustigen Schäflein und einem bedächtig-treulichen Hirten, so verwunderlich ist es doch. Auf den ersten Blick vielleicht nicht – es gehört ja zu den bekanntesten Gleichnissen Jesu – aber schau ich genauer hin, kommen Fragen auf.

Zum Beispiel die: Wie kommt es eigentlich, dass Gott sucht? Also: Ich mache es mir jetzt mal ein bisschen einfach mit der Auslegung des Gleichnisses – allerdings auf Jesu Linie – und sagte: Die Schäflein, das sind wir, die Menschen, die schon ab und an mal auf den Holzweg geraten können, und der Hirte, der Schaftreiber, das ist Gott, der sich auf die Suche macht nach uns.

So weit, so gut. Aber sagen Sie, warum muss Gott eigentlich suchen? Ich mein: Er ist doch Gott! Und Gott weiß alles, sieht alles, hört alles, hat auf alles eine Antwort und schaut in die hintersten Winkel. Ja, hören Sie mal, so einer muss doch nicht suchen? Oder ist Gott eben doch nicht allmächtig, allgegenwärtig, allwissend?

Ganz im Ernst: Die Vorstellung von Gottes Allmacht ist ohnehin sehr problematisch – Jesus scheint sie nicht einfach zu teilen – und Jesu Kreuz ist ja ein sprechender Hinweis darauf, dass Gott unter „Macht“ und „Allmacht“ wohl etwas anderes versteht als Machtpolitiker und Militärstrategen. Wie auch immer, ich glaube, Jesus will auf etwas ganz anderes hinaus.

Es ist verwunderlich, dass Gott sucht – das war es auch für Jesu Zeitgenossen. Mit diesem durchaus provozierenden Bild will Jesus sagen, dass es bei Gottes Suche sicher um mehr geht als um’s angelegentliche Hinter-die-Büsche-schauen. Dass Gott sucht, das ist ein Teil seines Wesens, das ist eine göttliche Haltung. Eine göttliche Haltung – und ein ausgesprochen menschlicher Charakterzug. Es ist ja die große Stärke und die atemberaubende Erkenntnis in den Geschichten, die Jesus erzählt: dass Gott menschliche Züge hat. Darum hält Jesus keine Lehrveranstaltungen, drum verliest er keine theologischen Aufsätze: weil Gott ein so menschlicher Gott ist, dem nichts lieber ist, als Menschen nahe zu sein. Und einer, der den Menschen nahe sein will, der hält eben Ausschau nach ihnen, der sucht.

Und wie, wenn’s denn schon erlaubt ist, so menschlich von Gott zu sprechen: Und wie sucht Gott?

Es gibt ja verschiedene Arten des Suchens. Besonders gut kenne ich die eine, die chaotische Art. Da fehlt irgendeine Rechnung, irgendein wichtiges Formular – und ich weiß, irgendwo auf dem Schreibtisch, zwischen den vier bis fünf Papierstößen muss es liegen. Dann schichte ich um und staune, was so alles ans Tageslicht kommt, find aber nicht, was ich suche und werde immer hektischer. Mit Schweiß auf der Stirn und erhöhtem Blutdruck fällt es mir dann doch irgendwie in die Hände und ich atme erleichtert auf. So, glaube ich, sucht Gott nicht, dazu ist er sicher zu ordentlich, der Schöpfer, der der Welt eine Ordnung gab.

Und wohl auch nicht wie ein Briefmarken- oder Bierdeckelsammler, wie ein Autogrammjäger oder ein Kunstmäzen, die viel Zeit und Geld dran geben, um die eine Unterschrift, die „Blaue Mauritius“ oder den Picasso zu bekommen. Die suchen nur das Besondere, und sie möchten es gerne besitzen – für Gott aber sind doch wohl alle besonders und besitzen will er uns schon gar nicht.

Und wie Wünschelrutengänger oder Schatzsucher mit Metalldetektoren sucht er wohl auch nicht, die gehen ja nur auf gut Glück los, mit allenfalls ein wenig Ahnung, dass und wo sie etwas finden könnten. Gott hat mehr als eine Ahnung, wo wir sind und wie wir uns befinden – er ahnt es nicht, er weiß es ganz genau. In Jesus trägt er sein menschliches Antlitz, in Jesus spürt er, was es heißt, umher zu irren und verloren zu sein. Darum weiß er auch, wo er suchen muss, nämlich dort, wo wir nicht ein noch aus wissen, wo die Nächte ohne Mond und Sterne sind, wo uns am Tag die Sonne sticht und wo wir ratlos durch irgendwelche Wüsten stolpern. Dort, wo wir müde und ohne Kraft zu Boden gegangen sind, wo uns der Horizont verschwimmt und wir den Blick nicht mehr heben können – dort sucht uns Gott, und dort sucht er uns auf.

Auf diese Weise sucht Gott: Er sucht wie ein Liebender, wie einer, der vor Sehnsucht vergeht, der sich sorgt und der keine Ruhe findet, bevor er die Geliebte nicht in die Arme schließen kann. Gott sucht leidenschaftlich, liebevoll.

Nur so ist doch auch zu verstehen, dass Gott im Gleichnis neunundneunzig andere Schafsköpfe alleine lässt, um den einen Hammel oder das eine Schaf zu suchen. Auch da war ich doch erst einmal verwundert. Was ist das denn für ein Hirte, der neunundneunzig in der Wüste lässt, von Tieren bedroht, ohne Schutz, in der Abenddämmerung, auf Gedeih und Verderb ausgeliefert – um ein einziges zu retten? Kann ja durchaus passieren, dass ihm, nachdem er mit dem einen zurückgekehrt ist, zehn andere fehlen, weil sie gerissen oder gestohlen wurden. Das rechnet sich doch nicht, das ist doch nicht effektiv!

Und wieder: Jesus will nicht sagen, was für ein Tölpel der Gotteshirte ist, oder wie unbedacht und ungerecht er handelt. Er will sagen: Gott mein jede und jeden einzelnen, Gott geht jedem persönlich hinterher, sucht jede persönlich auf. Er kennt unsere Namen, er ist jeder und jedem von uns besonders zugetan. Und weil er uns kennt und weil er um jede und jeden weiß, darum kennt er auch die Wüsten und Winkel, in denen wir uns verloren fühlen; darum sucht er uns genau dort auf, wo wir verletzt und einsam auf Hilfe warten.

Wir warten nicht umsonst.

Und noch eine klärende Verwunderung geht mir durch den Sinn, liebe Gemeinde, noch eine sehr menschliche Frage an den ganz menschlichen Gott hätte ich zu stellen.

Gott sucht und findet, das ist schön. Aber die Voraussetzung für’s Suchen und Finden ist, dass ein Schafskopf verloren ging. Können wir denn auch verloren gehen, bei Gott? Manchmal fühlt sich das ja so an! Zeiten gibt es, da ist alle Hoffnung weg, alles hat keinen Sinn mehr und die Sorgen wiegen schwerer als Lebensmut und Lebenslust. Tage gibt es, da fühl ich mich verloren, ohne Weg und Ziel. Die kennen wir alle schmerzhaft gut.