Gedanken: Opium des Volkes

Religion ist Opium des Volkes – sagte dereinst Karl Marx (nicht der Kardinal, Sie wissen schon, der mit dem Kommunistischen Manifest, über den gerade ein Film in den Kinos zu sehen ist), und mag ja sein, dass er damit so ein bisschen Recht hat(te). Auch Heinrich Heine, Marxens Zeitgenosse, schimpfte über das „Eiapopeia im Himmel“, das die Gemüter des Volkes, des „großen Lümmels“, beruhigen sollte. Religion als Ersatzdroge, Religion, um die Leute zu beschwichtigen bei schwierigen Lebenslagen, Religion, um das Protestpotential gering zu halten – alles denkbar und – wenn’s denn so stimmt – höchst kritikwürdig.

Aber mal ehrlich: Wer braucht denn noch Religion, wenn er „Let’s dance“ und „Sturm der Liebe“ hat? Wer muss sich fromm beruhigen, wenn er in Stadien Fußballliturgien feiern kann und sich in „Gute Zeiten, schlechten Zeiten“ so richtig tränenselig anrühren lassen kann? Die rechten Parolen und alles, was mit einfachen Lösungen populistisch daherkommt, ersparen doch fein herrlich jeden Glauben, der bedacht sein will, da bleibt doch mancher vor dem anstrengenden Nachdenken freundlich bewahrt.

Religion? Wer braucht schon Religion? Ich will’s Ihnen sagen: Alle, die sich eben nicht einlullen lassen möchten, die den Herausforderungen ihres Lebens und unserer Zeit eine Stirn bieten möchten, hinter der sich etwas regt. Alle, die sich ihrer Phantasie nicht berauben lassen möchten, die Ideen haben wollen für eine Zukunft jenseits von Sachzwang und Verzweckung. Alle, für die ein Mitmensch nicht bloß Verbraucher, Fremder, Kunde oder Wähler ist, sondern eben: Mensch, ein Nächster, eine Nächste, ausgestattet mit Würde und Wert.

Und das bietet Religion? Schauen Sie mal: „Eure Rede sei: Ja, Ja oder Nein, Nein – alles andere ist Geschwätz!“ (Jesus); „Prüft alles, das Gute behaltet.“ (Paulus); „Was ist der Mensch? Mit Ehre und Herrlichkeit hast du ihn gekrönt!“ (Psalm 8); „Nehmt einander an!“ (Paulus); „Selig, die Frieden stiften, die hungert nach Gerechtigkeit!“ (Jesus); „Die Frucht der Gerechtigkeit wird Friede sein.“ (Jesaja). Noch Fragen?

Vielleicht die: Bin ich einer, der sich lieber einlullen lassen will von irgendeinem „Opium des Volkes“, oder eine, die sich lieber aufmacht und eigene Wege geht: bewusst, aufmerksam und vielleicht ein bisschen fromm, Gott zugewandt? Sie entscheiden das.

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

3. März 2017 – Weltgebetstag

Lisa Schürmann, Weltgebetstag der Frauen – Deutsches Komitee e.V.:
Globale Gerechtigkeit steht im Zentrum des Weltgebetstags von Frauen der Philippinen „Was ist denn fair?“ Diese Frage beschäftigt uns, wenn wir uns im Alltag ungerecht behandelt fühlen. Sie treibt uns erst recht um, wenn wir lesen, wie ungleich der Wohlstand auf unserer Erde verteilt ist. In den Philippinen ist die Frage der Gerechtigkeit häufig Überlebensfrage. Mit ihr laden uns philippinische Christinnen zum Weltgebetstag ein. Ihre Gebete, Lieder und Geschichten wandern um den Globus, wenn ökumenische Frauengruppen am 3. März 2017 Gottesdienste, Info- und Kulturveranstaltungen vorbereiten.

Die über 7.000 Inseln der Philippinen sind trotz ihres natürlichen Reichtums geprägt von krasser Ungleichheit. Viele der über 100 Millionen Einwohner leben in Armut. Wer sich für Menschenrechte, Landreformen oder Umweltschutz engagiert, lebt nicht selten gefährlich.

Ins Zentrum ihrer Liturgie haben die Christinnen aus dem bevölkerungsreichsten christlichen Land Asiens das Gleichnis der Arbeiter im Weinberg (Mt 20, 1-16) gestellt. Den ungerechten nationalen und globalen Strukturen setzen sie die Gerechtigkeit Gottes entgegen.

Ein Zeichen globaler Verbundenheit sind die Kollekten zum Weltgebetstag, die weltweit Frauen und Mädchen unterstützen. In den Philippinen engagieren sich die Projektpartnerinnen des Weltgebetstags Deutschland u.a. für das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Empowerment von Frauen, für ökologischen Landbau und den Einsatz gegen Gewalt an Frauen und Kindern.

Wer mitmachen möchte, ist sehr herzlich eingeladen und kann sich bei Susanne Bahret entweder telefonisch unter 07221/70863 oder per Mail an susanne.bahret@t-online.de informieren oder auch gleich anmelden. Die Vorbereitungstermine werden noch mitgeteilt.

„Glaubenstüren“

„Glaubenstüren“

 

Am kommenden Sonntag, den 5. Februar, beginnt mit denGottesdiensten um 10 Uhr die Ausstellung der Glaubenstüren in den Kirchen der Friedens-, der Luther,- der Paulus und der Stadtkirchengemeinde. Die Glaubenstüren illustrieren die 95 Thesen Martin Luthers und denken sie künstlerisch weiter, in unsere Zeit mit ihren Themen und Fragen hinein. Ein Künstlergruppe des Vereines „Farben und Bekennen“ aus Bruchsal und Bad Schönborn hat die Türen gestaltet, sie werden bis Ende Februar zu den jeweiligen Öffnungs- und Gottesdienstzeiten der Kirchen zu sehen sein.