„Die Zeichenhafte Woche – Zeiten der Stille und Gottesdienste in der Karwoche“

Wie jedes Jahr bietet die evang. Luthergemeinde auch heuer wieder besondere „Zeiten der Stille“ und Gottesdienste in der Karwoche an. Die Woche ab Karmontag bis Ostersonntag wird diesmal als „Zeichenhafte Woche“ gefeiert.
Die Satzzeichen unserer deutschen Grammatik helfen, die Geschichte um das Leiden, Sterben und Auferstehen Christi neu zu deuten und zu sehen.
Folgende Termine werden vom 21.3. bis zum 27.3. angeboten: „Zeiten der Stille“ im Lutherhaus (Maximilienstraße 82):
Montag, 18 Uhr – Auf den Punkt;
Dienstag, 18 Uhr – Ausrufezeichen;
Mittwoch, 18 Uhr – Komma;
Donnerstag, 18 Uhr – In Klammern. Die Gottesdienste in der Lutherkirche (Hauptstr. 51):
Karfreitag, 10 Uhr – Fragezeichen;
Karsamstag (Osternacht), 21 Uhr – Gedankenstrich;
Ostersonntag, 10 Uhr – Doppelpunkt.

Gedanken: Lichtsignalanlagen

Sie meinen es nicht gut mit mir! Wenn ich mal eilig wohin muss, stehen Ampeln grundsätzlich auf Rot. „Grüne Wellen“ wogen anderswo (In Wahrheit glaub ich, gibt es die auch gar nicht, das ist nur so ein Werbetrick vom Verkehrsministerium …).

Verkehrsampeln sind mir nicht wohlgesonnen, ob ich mit dem Fahrrad oder mit dem Auto unterwegs bin, selbst an Fußgängerampeln (mit Drucktaste) erwisch ich fast immer die längste Phase. Nervig, das! Dabei … wenn ich es recht überlege, ab und an (auch wenn es schwer fällt, das zu gestehen) war ich so einer Ampel auch schon dankbar: Bei Rot fällt mir vielleichrt noch ein, dass ich mal wieder den Einkaufszettel vergessen habe und also umkehren muss; und manches rote Männchen hat mich schon vor einem durchgeknallten Biker bewahrt! Will ich mal nicht undankbar sein! Zumal so eine rot-gelb-grüne Lichtsignalanlage (was „Ampel“ auf Amtsdeutsch heißt) für den Rest des Lebens (wenn ich nicht im Auto oder auf dem Fahrradsattel sitze) auch nicht schlecht wäre.

Rot – Anhalten. Zuzeiten ist es wirklich gut, anzuhalten und nicht einfach weiter zu jagen und zu hetzen, weil doch immer was zu tun ist und sich immer was ganz Dringliches aufdrängt. Anhalten und Atem holen. Gute Idee! „Meine Seele ist still und ruhig geworden“ heißt es in einem Davidspsalm. Wär schon schön!

Gelb – Vorsicht! Aufmerksam sein! Daran fehlt es mir durchaus manchmal, eben wenn ich wie aufgescheucht durch meine Tage renne und nicht mehr sehe, was sich rechts und links des Weges an Schönheiten und Herausforderungen auftut. Aufmerksam zu sein bereichert! „Merkt auf, damit ihr lernt und klug werdet!“ rät Salomo im Buch der Sprüche. Wär kein Schade!

Grün – freie Fahrt! Aber wie oft fühl ich mich gehalten und gefangen in all meinen Unzulänglichkeiten, in der Menge der Pflichten und scheinbar so mächtigen Sachzwängen. Und da kommt einer, steckt mir mit seiner göttlichen Lichtsignalanlage ein Licht auf und spricht mir zu: „Gott macht die Gefangen frei!“ (Psalm 146,7) und: „Ihr seid zur Freiheit berufen!“. So sagt Paulus das im Brief an die Galater – und als Versprechen an uns.

Ich will das ernst nehmen und mich künftig aufmerksam und wagemutig durch den Straßenverkehr meines Lebens bewegen. Ab und an innehalten, mich aufmerksam umsehen, und mein Leben wagen, frank und frei. Und wenn ich dann doch mal auf einer „Grüne Welle“ surfen dürfte … wär‘s perfekt!

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden

Gedanken: Kein Geschwätz!

Am besten finde ich ja den „Mobilat Fantalk“, der vorher den Namen einer Brauerei trug (jetzt klingt da statt Bierseligkeit wenigstens Schmieren und Salben an), und der „Talk im Hangar 7“ ist auch bemerkenswert (wobei ich mich nie bemüht habe, herauszufinden, wo der Hangar eigentlich steht …) – weil halt getalkt wird. Da hat die Anne den Günter jetzt wieder abgelöst, Frau Maischberger gibt sich die Ehre, der Lanz kann(z) auch und Maybritt Illner hält sich so wenig zurück wie Hart-aber-Fair-Franze Plasberg. In fast jeder Nachrichtensendung fragt ein streng blickender Redakteur (oder eine Redakteurin – Marietta Slomka kann das am allerbesten!) einen selten gut aufgelegten Politiker rhetorisch „Meinen Sie nicht auch …?“, und der antwortet dann gekonnt auf eine Frage, die keiner gestellt hat.

Es wird getalkt und geredet, dass sich die Balken biegen und der Bildschirm schmilzt, nach dem Motto: „Hauptsach g‘schwätzt isch!“ Das sagt meine Frau manchmal, wenn ich mich (nach Art der politischen Aussageverweigerung) in eloquenten Äußerungen ergehe, weil ich auf eine konkrete Frage gerade keine konkrete Antwort habe. Wenn ich auch nichts weiß, reden kann ich ja (bringt der Beruf so mit sich …).

Hautsach g’schwätzt isch? Nö, eigentlich wäre es viel schöner, es würde auch mal geschwiegen; bemerkenswert wäre, es gäbe einer mal zu, vorerst nur Fragen und mit der Zeit erst Lösungen zu haben. Weil manches doch eher bedacht und weniger beschwätzt werden will. Am allerschönsten freilich wäre, wenn der, der da redet, nicht um den heißen Brei und nicht wohlfeil daherredete. Vielmehr, wenn er die Dinge beim Namen nennte, wenn auf sein Wort Verlass wäre und sein Wort gälte.

„Sagt ja, sagt nein – alles andere ist dummes Zeug!“ sagt Jesus (so ähnlich) in der Bergpredigt. Ja sagen, nein sagen – und nicht: ähm, naja und vielleicht, mal sehen und jein, ganz entschieden: jein. Die größten Geschenke, die wir uns in dieser verquatschten Zeit machen können, sind klare Worte, verlässlich Zu- oder Absagen, und ein verlässliches Schweigen, wenn wir ratlos sind. Denn das zu sein ist nicht schlimm, übel ist, so zu tun, als sei ich um Antwort nie verlegen. Eine wunderbare Gabe: nicht talken und schwätzen, nicht schwadronieren und spekulieren, sondern sein Wort geben und sich beim Wort nehmen lassen, und wo das nicht geht – Klappe halten.

Es gibt da ein Vorbild: „Mein Wort ist wahrhaftig, und was ich zusage, das halt ich  gewiss.“ sagt Gott, im 33. Psalm. Steht uns auch gut zu Gesicht! Auch, wenn wir dann nicht mehr zu Talk-Runden eingeladen werden. Ist mir aber auch noch nie passiert …

Thomas Weiß
Evang. Pfarrer
Luthergemeinde Baden-Baden